Tony Cragg, Untitled, 2015

© VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Michael Richter

26. JANUAR BIS 16. NOVEMBER 2018

Das Andere Sehen

Die Schau Das andere sehen war Teil der Ausstellungsreihe zeitgenössischer Skulpturen aus Glas von internationalen Künstler*innen. Der Titel der Ausstellung spielte mit dem doppelten Sinn der Worte. Die Arbeiten werfen einen anderen Blick auf die Dinge und zugleich thematisieren sie das Interesse am Anderen: gegenüber dem Ich der Andere, gegenüber dem sichtbaren Körper sein Inneres, gegenüber der Zivilisation die Wildnis, gegenüber der Erde das Universum, gegenüber dem Leben der Tod. Es geht ihnen um die Wahrnehmung des Anderen, um den Zusammenhang von Sehen und Erkennen, um Verstehen.

Viele zeitgenössische Künstler*innen haben die Magie der Materialien wiederentdeckt. Sie arbeiten mit Stoffen, die eher dem Handwerk zugeordnet werden, dem Nützlichen oder dem Dekor. Sie schätzen die Unmittelbarkeit und Haptik des Materials, seine körperliche und emotionale Wirkung auf den Betrachter und seine historischen, geistigen und spirituellen Bedeutungen. „Das Material Glas hat eine enorme Aufwertung in der zeitgenössischen Kunst gewonnen“, sagt Dr. Eva-Maria Fahrner-Tutsek, die Vorsitzende der Stiftung. Sie wollte diesem Phänomen eine Ausstellung widmen und hatte dafür signifikante Werke international renommierter Künstler*innen zusammengetragen.

Was fasziniert jene am Glas, die vornehmlich von der Malerei kommen, wie Alejandra Seeber oder von der Skulptur in Bronze, Marmor und Holz wie Tony Cragg? Oder jene die mit Video arbeiten wie Mona Hatoum und der Fotografie wie Raimund Kummer? Das dem Material Glas inhärente Licht, die Reflexion, Zerbrechlichkeit und Transparenz, die technischen Möglichkeiten, dessen Tradition und Geschichte oder die erzählerische Qualität, die ihm innewohnt? Mit diesen Fragen verstand sich die Ausstellung Das Andere Sehen auch als ein Beitrag zum Diskurs über Glas in der zeitgenössischen Kunst.

Ausstellungsort
Villa
Karl-Theodor-Str. 27
80803 München

Anfahrt

Pae White, Overseverd, 2017

© Pae White, Courtesy kaufmann repetto, Milano/New York, Foto: Andrea Rossetti

Die ausgewählten Arbeiten der sieben Künstler*innen sind allesamt Werke von besonderer Qualität und kultureller Bedeutung. So unterschiedlich sie sind, die 13 Arbeiten fügten sich in der Ausstellung zu einer Erzählung: die im Raum schwebenden Speech Bubbles (2014) aus geblasenem Glas der argentinischen Künstlerin Alejandra Seeber (geb. 1968) zum Beispiel, das Gespräch unter drei Augen (1990) von Raimund Kummer (geb. 1954) oder das Paar Listeners (2015) des britischen Künstlers Tony Cragg (geb. 1949), die Wandarbeit Glass Feathers (2015) der koreanischen Künstlerin Ki-Ra Kim (geb. 1959), der Korb V (2014) mit zwei roten zellenförmigen Gefäßen von Mona Hatoum (geb. 1952), der in London lebenden palästinensischen Künstlerin.

Zu den herausragenden Arbeiten der Ausstellung zählten auch Ashen (2010) von Kiki Smith aus New York (geb. 1954), deren gläserne Blumen aus einer Holzskulptur gleich einem Sarg wachsen, oder die tiefblauen spiegelnden Glas-Bricks, aus der die in Los Angeles lebende Pae White (geb. 1963) eine Mauer baut (Overserved, 2017). Die Installationen schufen eine Poetik des Raumes und verwandelten das Haus der Stiftung, eine Jugendstilvilla, ehemals Atelier eines Bildhauers, in einen anderen Ort – in einen Ort, an dem etwas geschieht, der den Betrachter ins Schauen und Denken lockt.

Mit Arbeiten von:

Tony Cragg

Mona Hatoum

Ki-Ra Kim

Raimund Kummer

Alejandra Seeber

Kiki Smith

Pae White