Deutscher Pavillon: Sung Tieu, "Human Dignity Shall Be Inviolable", 2026

© Courtesy the Artist, Foto: Andrea Rossetti

Deutscher Pavillon 2026: v.l.n.r. Künstlerinnen Henrike Naumann, Sung Tieu und Kuratorin Kathleen Reinhardt

Foto: Victoria Tomaschko

Alexander Tutsek-Stiftung auf der Biennale in Venedig

Die Alexander Tutsek-Stiftung unterstützt in diesem Jahr den Deutschen Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig.

Die Kuratorin Kathleen Reinhardt vereint im Deutschen Pavillon unter dem Titel Ruin Arbeiten von Henrike Naumann (1984–2026) und Sung Tieu (*1987). In spannungsvollem Dialog setzen sich beide Künstlerinnen mit physischen und sozialen Strukturen sowie deutschen Ideologien auseinander. Während Henrike Naumann gesellschaftspolitische Themen über das Medium dicht gedrängter Inneneinrichtungen reflektiert, untersucht Sung Tieu mit starken skulpturalen Setzungen die eigene Biografie zu Einwanderung und Gastarbeit in der ehemaligen DDR.

In der von der Alexander Tutsek-Stiftung geförderten Rauminstallation But the Flesh Is Weak zeigt Tieu Glasabgüsse der Arme und Beine ihrer Mutter. Die bedrückende Arbeit steht für den entindividualisierten Gastarbeiter, den „gläsernen Menschen“, der schutzlos prüfenden Blicken ausgesetzt ist – und für die Zerbrechlichkeit menschlichen Seins. Bei näherem Betrachten werden Spuren von Arbeit und Krankheiten auf den gläsernen Extremitäten sichtbar. Sie stehen in starkem Kontrast zur Reinheit und Klarheit, die das Material Glas scheinbar verspricht.

Sung Tieu hat zudem die gesamte Fassade des Deutschen Pavillons gestaltet und komplett mit Mosaiksteinchen überzogen. Diese zeigen das Berliner Mietshaus, einen mittlerweile abgerissenen Plattenbau, in dem Tieu aufgewachsen ist.

Die Ausstellung Ruin wurde durch das ifa – Institut für Auslandsbeziehungen realisiert und ist im Deutschen Pavillon auf der Biennale di Venezia noch bis einschließlich 22. November 2026 zu sehen.